# Der Zins steigt wieder — die Kerninflation nicht
*Am Mittwoch verteuert die EZB das Geld zum zweiten Mal in drei Monaten. Der Preisschub, gegen den sie anhebt, steckt fast ganz in Heizöl und Kraftstoff — der große Rest des Warenkorbs bewegt sich seit anderthalb Jahren kaum.*

Skim · Ausgabe 2026-09-15 · <https://skim.day/story/der-zins-steigt-die-kerninflation-nicht>

## In drei Sätzen

- Am 16. September steigt der Einlagesatz der EZB auf 2,50 Prozent, die zweite Erhöhung binnen drei Monaten nach acht Senkungen in Folge und 371 Tagen Stillstand.
- Die Kernrate im Euroraum lag zwischen März 2025 und August 2026 zwischen 2,2 und 2,7 Prozent — eine Spanne von 0,5 Punkten. Die Energiekomponente legte im selben Zeitraum 18,2 Punkte zurück.
- In Deutschland verteuerten sich Heizöl um 49,6 und Kraftstoff um 27,7 Prozent, während Haushaltsstrom um 5,5 und Erdgas um 2,9 Prozent billiger wurden.
- Unter demselben Leitzins liegen im August 4,5 Prozentpunkte: Estland 1,3 Prozent, Litauen 5,8 Prozent.


Am Mittwoch verteuert die Europäische Zentralbank das Geld zum zweiten Mal in drei Monaten: Der Einlagesatz steigt auf 2,50 Prozent, nach acht Senkungen in Folge. Der Anlass klingt vertraut — die Inflation im Euroraum ist auf 3,2 Prozent geklettert. Nur hat sich der größte Teil des Warenkorbs dabei kaum bewegt.

## Acht Schritte hinunter, 371 Tage Stillstand, seit Juni wieder hinauf

Achtmal hat die EZB ihren Einlagesatz zwischen Juni 2024 und Juni 2025 gesenkt, von 4,00 auf 2,00 Prozent. Dann passierte 371 Tage lang nichts. Am 17. Juni dieses Jahres ging es zum ersten Mal wieder hinauf. Der zweite Schritt folgt am Mittwoch.

## 18 Monate Kernrate, ein halber Punkt

Die Kernrate im Euroraum — alles ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak — liegt seit März 2025 zwischen 2,2 und 2,7 Prozent. Ein halber Prozentpunkt in 18 Monaten. Die Energie legte im selben Zeitraum 18,2 Punkte zurück. Der Einwand: Notenbanken heben den Zins nicht gegen den Ölpreis, sondern gegen die Erwartung, dass er hoch bleibt.

## Heizöl plus 49,6 Prozent, Kraftstoff plus 27,7 — und der Strom?

Heizöl kostet in Deutschland im August 49,6 Prozent mehr als vor einem Jahr, Kraftstoff 27,7 Prozent mehr. Beides ist Energie, beides steckt in der Inflationsrate. Jetzt die Frage, bei der sich die meisten verschätzen: Was ist im selben Monat mit dem Strom für Privathaushalte passiert?

## Die Kernrate ist das, was im Regal steht

Die Kernrate lässt Energie und Nahrungsmittel weg, weil deren Preise springen. Was übrig bleibt, ist das langsame Zeug: Mieten, Versicherungen, Handwerker, Friseur, die Limo im Kiosk. Genau deshalb schaut eine Notenbank darauf — und genau deshalb merkt man eine Zinserhöhung erst spät.

## Eine Zahl, zwei Richtungen

Das Statistische Bundesamt weist für Energie insgesamt plus 10,5 Prozent aus, den höchsten seit über drei Jahren. Diese Zahl beschreibt zwei Preisbewegungen: Was aus dem Fass kommt, ist deutlich teurer geworden, was aus Leitung und Steckdose kommt, billiger. Wen der Preisschub trifft, entscheidet damit nicht das Land, sondern die Heizung und das Auto.

## Unter demselben Leitzins liegen 4,5 Prozentpunkte — und die beiden Extreme sind Nachbarn

Der Satz, der am Mittwoch steigt, gilt für 21 Länder gleichzeitig. In Estland liegt die Inflationsrate im August bei 1,3 Prozent, in Litauen bei 5,8 — viereinhalbmal so hoch. Dazwischen liegt Lettland mit 2,9. Die EZB entscheidet für den Durchschnitt, und in diesem Monat wohnt dort kaum jemand.

## Zins gegen Ölpreis — richtig oder falsch?

Die EZB erhöht den Zins gegen einen Preisschub, der aus dem Ölmarkt kommt.

## Woher die Zahlen kommen

Leitzinsen: EZB, Einlagesatz, Reihe FM.D.U2.EUR.4F.KR.DFR.LEV, 988 Tageswerte, Abruf 14.09.2026. Die Stufe am 16.09. ist darin nicht enthalten — am 10.09. beschlossen, ab 16.09. wirksam, Beschluss berichtet, Pressemitteilung noch nicht gezogen. Inflationsraten, Komponenten und Länderwerte: Eurostat ei_cphi_m, Jahresrate, März 2025 bis August 2026, Datenstand 01.09.2026, Abruf 14.09.2026 — alle Augustwerte außer Slowenien tragen den Status »geschätzt«, der Juliwert der Niederlande »vorläufig«. Deutsche Güterarten: Statistisches Bundesamt, PD26_320_611, endgültiges Ergebnis, nationaler Verbraucherpreisindex. Gegenprüfung der deutschen Reihe: OECD DSD_PRICES@DF_PRICES_ALL. Kartenflächen: Natural Earth 50m, Public Domain, Mercator über 11 West bis 35 Ost und 34 bis 71 Nord, mit shapely auf 0,4 Bildpunkte vereinfacht, Flächenverlust 0,186 Prozent. 50m statt 110m, weil Malta im 110m-Datensatz fehlt. Fünf gleich breite Stufen über die Spanne 1,3 bis 5,8 Prozent, je 0,9 Punkte — keine Quintile. Berechnung: Skim bei allen Differenzen, Verhältnissen und Monatsmitteln. Die deutschen Werte stammen aus dem nationalen Verbraucherpreisindex, die europäischen aus dem harmonisierten — beide Warenkörbe sind verschieden und werden nicht vermischt. Was diese Daten nicht hergeben: Sie sagen nichts darüber, wie die Zentralbanken am Mittwoch entscheiden, und sie belegen keine Ursache. Nicht verwendet: der Eurostat-Datensatz prc_hicp_manr, der über die offene Schnittstelle keine Werte für 2026 liefert.

## Belege

- [Einlagesatz (Deposit facility, Änderungsdaten), Reihe FM.D.U2.EUR.4F.KR.DFR.LEV, Europäische Zentralbank, 2026-09-14](https://data-api.ecb.europa.eu/service/data/FM/D.U2.EUR.4F.KR.DFR.LEV?startPeriod=2024-01-01&format=csvdata)
- Leitzins USA, Reihen DFEDTARU und DFF, Federal Reserve Bank of St. Louis, FRED, 2026-09-14
- [Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Datensatz ei_cphi_m, Jahresrate, Eurostat, 2026-09-01](https://ec.europa.eu/eurostat/api/dissemination/statistics/1.0/data/ei_cphi_m?format=JSON&lang=EN&unit=RT12&lastTimePeriod=18)
- Verbraucherpreisindex August 2026, Pressemitteilung PD26_320_611, Statistisches Bundesamt, 2026-09-01
- Datensatz DSD_PRICES@DF_PRICES_ALL, OECD, 2026-09-14
- Rohölpreise, Reihen DCOILBRENTEU und DCOILWTICO, Federal Reserve Bank of St. Louis, FRED, 2026-09-14

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