# Wer KI versteht, hat mehr Angst um den Job — nicht weniger
*Wer viel von KI versteht, rechnet am ehesten damit, dass sie ihm die Arbeit abnimmt. Ob diese Angst berechtigt ist, kann vor 2027 niemand sagen. Vorbereitet ist bisher kaum jemand: Nur 15 Prozent waren je in einer KI-Weiterbildung.*

Skim · Ausgabe 2026-09-15 · <https://skim.day/story/wer-ki-versteht-hat-mehr-angst-um-den-job>

## In drei Sätzen

- 58 Prozent der Menschen in Deutschland ab 16 Jahren nutzen KI privat. Nur 37 Prozent halten ihre Vorteile für größer als ihre Nachteile — Platz 31 von 32 Ländern im Ipsos AI Monitor.
- Im KI-Monitor 2026 der TU Darmstadt rechnen rund 43 Prozent derjenigen mit sehr gutem KI-Wissen damit, dass KI ihre Arbeit übernehmen könnte. Das ist mehr als in der Gesamtgruppe.
- Betroffen sind nach derselben Studie eher Anwälte, Softwareentwickler und Social-Media-Berufe als Handwerk und Pflege. Nur 15 Prozent haben je an einer KI-Weiterbildung teilgenommen.
- Der Arbeitsmarkt gibt die Apokalypse bisher nicht her. Welche Jobs neu entstehen, kann nach Auskunft der befragten Fachleute vor 2027 niemand seriös sagen.


Köln, im Mai. Der Übersetzungsdienst DeepL streicht rund 250 von 1.000 Stellen — und begründet das ausdrücklich damit, dass er selbst mehr KI einsetzt. Im selben Zeitraum bereitet dasselbe Unternehmen einen US-Börsengang vor, bewertet mit bis zu fünf Milliarden Dollar. Aufschwung und Stellenabbau, beide mit derselben Begründung.

## Zwei Meldungen aus demselben Haus

Der dichteste Fall, den dieses Thema in Deutschland hat. Barbara Deml, Arbeitswissenschaftlerin am KIT, nennt Übersetzerinnen als ersten Beruf ohne gute Perspektive. DeepL ist die Firma, die Übersetzer ersetzt — und hat dann ein Viertel der eigenen Leute entlassen. Euphorie und Angst sind hier keine zwei Lager. Sie sind zwei Meldungen aus demselben Haus.


Die Mitteilung nennt KI als Grund für den Stellenabbau. Skim prüft den Satz hier nicht nach — er steht, weil die Begründung Teil der Sache ist.

## Deutschland sieht die Vorteile von KI seltener als fast jedes andere Land

Der Ipsos AI Monitor fragt jedes Jahr in 32 Ländern, ob KI mehr Vorteile als Nachteile bringt — zuletzt zwischen dem 20. März und dem 3. April 2026, rund 1.000 Befragte in Deutschland. Im Schnitt aller 32 Länder sagen das 55 Prozent, in Deutschland 37. Niedriger liegt nur Kanada. Vor einem Jahr waren es hier noch 49 Prozent.

## Benutzt wird sie täglich

58 Prozent der Menschen in Deutschland ab 16 Jahren nutzen KI privat, 15 Prozent davon täglich. Beruflich sind es 48 Prozent. Bei den 16- bis 29-Jährigen greift fast jeder Dritte jeden Tag danach. Am häufigsten für Alltagsfragen — und an fünfter Stelle für Gesundheit 34.

## Mehr Menschen benutzen KI, als ihr trauen

Es sind 37 Prozent, die sagen, die Vorteile überwiegen. Und benutzen tun sie 58 Prozent. Das ist kein Widerspruch zwischen zwei Gruppen, sondern einer innerhalb derselben Leute. Ein Drittel fragt KI nach Gesundheitsfragen — und zugleich lehnen zwei Drittel es ab, wenn KI eine Diagnose stellt.

## Wer am meisten weiß, hat am meisten Angst

## Betroffen ist, wessen Arbeitsergebnis sich digitalisieren lässt

Es trifft nicht die, die man erwartet. Nach derselben Studie sind Anwälte, Softwareentwickler und Social-Media-Berufe stärker exponiert als Handwerk und Pflege. Der gemeinsame Nenner ist nicht die Ausbildung, sondern das Arbeitsergebnis. Nur drei von 20 Befragten waren je in einer KI-Weiterbildung.


## 141 Videos, 53 Namen

Bis hierhin ging es um Gefühle. Es gibt belegte Fälle. Die Analysestelle CeMAS beschrieb am 4. September eine Kampagne, die Sicherheitsforscher Russland zurechnen: 141 Videos mit Wahlbezug zwischen Juni und dem 28. August, 53 Politikerinnen und Politiker mit erfundenen Vorwürfen. Das BKA weist den Cybercrime-Schaden 2025 mit 202,4 Milliarden Euro aus, KI als einen Hebel darin.

## Jeder vierte Betrieb setzt generative KI ein — vor zwei Jahren jeder 20.

Die Euphorie lässt sich ebenfalls messen, und zwar an derselben Erhebung über die Zeit. Das IAB-Betriebspanel befragt jährlich rund 15.000 Betriebe aller Größen und Branchen. 2023 setzten fünf Prozent von ihnen generative KI ein, 2025 waren es knapp 25 Prozent. Weitere neun Prozent planen es.

## Vier Namen, eine Tätigkeit

Wo Betriebe KI einsetzen, entstehen neue Stellen. Nur zählen lässt sich nicht, welche. Wer hier KI-Manager heißt, ist dort Head of AI, Deep Learning Lead oder Chief LLM Officer. »Ein Data Scientist bei der Münchener Rückversicherung macht etwas ganz anderes als ein Data Scientist bei Google«, sagt der Ökonom Fabian Braesemann. Daran scheitert jede Statistik.

## Auf 100 geschaffene Stellen kommen 20, die KI zugeschrieben werden

Der Arbeitsmarkt gibt die Apokalypse bisher nicht her. Eine Analyse des Economist zählt seit Mitte 2023 rund eine Million Stellen, die der KI-Boom in den USA geschaffen hat. Rund 200.000 wurden gestrichen und KI zugeschrieben. Die Lohnprämie für KI-Kompetenz liegt nach dem PwC AI Jobs Barometer im Schnitt über 20 Prozent.


Barbara Deml forscht am Karlsruher Institut für Technologie zu Arbeitswissenschaft. Sie sagt beides in einem Atemzug.

## 800.000 weg, 800.000 neu — nicht dieselben Menschen

Eine IAB-Projektion rechnet für Deutschland über 15 Jahre mit rund 800.000 wegfallenden und 800.000 neuen Stellen. Es sind nicht dieselben Menschen.

## Wo die neuen Jobs entstehen, weiß niemand

Welche Berufe entstehen, wenn andere verschwinden — und wo? Keine der befragten Fachleute kann das heute beantworten. Braesemanns Team wertet in Oxford Stellenanzeigen aus. Erste Ergebnisse erwartet er 2027. Bis dahin benutzt ein Land eine Technik täglich, traut ihr nicht, bereitet sich nicht auf sie vor — und die Fachleute sind die Ängstlichsten.

## Angst oder Neugier?

## Belege dieser Story

Die Ipsos-Ländertabelle stammt aus der Berichterstattung, nicht aus der Mitteilung — sie steht dort nur als Schaubild und ist vor der Freigabe im Original zu prüfen. Zu den Berufsgruppen ist die Rangfolge belegt, kein Prozentwert. Nicht verwendet: Deepfake-Betrug plus 1.300 Prozent, 2,8 Milliarden Euro CEO-Fraud, eine Diagnosestudie aus Mannheim.

## Belege

- Ipsos AI Monitor 2026, Ipsos, 2026-08-19
- Bevölkerungsbefragung Künstliche Intelligenz, Bitkom, 2026-04-28
- KI-Monitor 2026, Technische Universität Darmstadt mit YouGov, 2026-09-01
- IAB-Betriebspanel, Einsatz generativer KI in Betrieben, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2026-05-05
- KI verändert Jobprofile – nicht Beschäftigung, Kiel Institut für Weltwirtschaft, Engberg u. a., 2026-01-26
- Unternehmensmitteilung zum Stellenabbau, DeepL SE, 2026-05-07
- Tech Talk mit Verena Lödding, Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM, 2026-08-31
- Analyse »Operation Overload«, CeMAS, 2026-09-04
- Bundeslagebild Cybercrime 2025, Bundeskriminalamt, 2026-05-01
- Analyse zum KI-Arbeitsmarkt in den USA, The Economist, 2026-01-01
- AI Jobs Barometer 2026, PwC, 2026-06-30
- IAB-Projektion über 15 Jahre, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, referiert vom Deutschlandfunk, 2026-01-01
- Konferenz und Mitteilung zur KI-Dividende, IG Metall Baden-Württemberg, 2026-07-06
- Berichterstattung über den Ipsos AI Monitor 2026 mit Länderwerten, ms-aktuell.de, 2026-08-19
- Arbeitsmarkt und KI: Wo entstehen durch KI neue Jobs?, DIE ZEIT, David Gutensohn und Anne Jeschke, 2026-09-14

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