ERKLÄRT

Der tödlichste Sommer, den Deutschland gezählt hat

Das Robert Koch-Institut zählt 15.800 hitzebedingte Todesfälle. Die Zahl stimmt — und wird trotzdem falsch gelesen.

Sonntag, 30. August 2026Skim-Redaktion13 Karten

In drei Sätzen

Ein Institut zählt 15.800 Tote. Die Zahl stimmt — und wird trotzdem falsch gelesen.

Zahlen

So viele wie nie gezählt

Jeder Punkt steht für rund 158 Menschen. Es sind mehr als in jedem Jahr, seit das RKI diese Reihe führt — und der Sommer ist noch nicht zu Ende gerechnet.

So viele wie nie gezählt
hitzebedingte Sterbefälle, April bis 16. August15.800
Prädiktionsintervall 14.500 bis 17.000.

Quelle Robert Koch-Institut, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 33/2026, 2026-08-27

Was da eigentlich gezählt wird

Auf keinem Totenschein steht »Hitze«. Das RKI zählt deshalb nicht Fälle, sondern rechnet: Wie viele Menschen sind in einer heißen Woche mehr gestorben als in einer normalen? Die Differenz ist die Zahl. Grundlage sind 52 Wetterstationen und eine Wochenmitteltemperatur ab etwa 20 Grad.

Quelle Robert Koch-Institut, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 33/2026, 2026-08-27

Zahlen

Zwei von drei sind über 85

In dieser Altersgruppe sind es 245,6 Fälle je 100.000 Menschen. Im Bundesschnitt sind es 19,0.

Zwei von drei sind über 85
ab 85 Jahren67 %
unter 65 Jahren12 %
Anteile an den 15.800 Fällen, aus den ausgewiesenen Altersgruppen des RKI-Berichts.

Quelle Robert Koch-Institut, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 33/2026, 2026-08-27

Meistens tötet die Hitze nicht unmittelbar. Sie gibt den letzten Anstoß bei Menschen, die ohnehin am Rand stehen — und genau das macht sie in der Statistik so schwer zu fassen.

Quelle Apotheken Umschau, Hitzetote 2026 — die RKI-Zahlen im Vergleich, 2026-08-27

Zahlen

Zweiunddreißig Jahre, drei Spitzen

1994 und 2003 galten als die schlimmsten Hitzejahre, die Deutschland gezählt hat. 2026 liegt um die Hälfte darüber.

Zweiunddreißig Jahre, drei Spitzen
199410.200 Fälle — der erste Rekord
200310.200 Fälle — der Jahrhundertsommer
202615.800 Fälle bis 16. August
Die Abstände entsprechen den Jahren, nicht den Zeilen.

Quelle Robert Koch-Institut, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 33/2026, 2026-08-27 · Apotheken Umschau, Hitzetote 2026 — die RKI-Zahlen im Vergleich, 2026-08-27

Die Nacht ist das Problem, nicht der Mittag

Wer tagsüber schwitzt, erholt sich nachts — wenn die Wohnung abkühlt. In dicht bebauten Innenstädten sinkt die Temperatur nachts kaum noch. Der Körper bekommt keine Pause, und nach der dritten Nacht wird aus Unwohlsein ein Kreislaufversagen.

Quelle Robert Koch-Institut, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 33/2026, 2026-08-27

Zahlen

Erst 9.800, jetzt 15.800

Das sieht nach Nachbessern aus und ist das Gegenteil: Sterbefälle werden mit Verzug gemeldet, jede Woche schreibt die Vergangenheit fort.

Erst 9.800, jetzt 15.800
erste Meldung9.800
Stand 27. August15.800
Dieselbe Zeitspanne, zwei Meldestände.

Quelle Robert Koch-Institut, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 33/2026, 2026-08-27 · Apotheken Umschau, Hitzetote 2026 — die RKI-Zahlen im Vergleich, 2026-08-27

Wo die Kritik berechtigt ist

Nicht jede Kritik an dieser Zahl ist Leugnung. Es gibt einen ernsthaften Einwand — und er trifft nicht das Ergebnis, sondern das Modell.

Quelle Robert Koch-Institut, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 33/2026, 2026-08-27 · Klimanachrichten, Der Ritt des RKI auf der Statistik-Kanonenkugel, 2026-08-21

Vier Dinge, die keine Wetterlage sind

Jeder dieser Punkte ist eine Entscheidung, keine Naturgewalt — und drei davon kosten fast nichts.

Quelle Robert Koch-Institut, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 33/2026, 2026-08-27

Das ist keine Wetterlage

Quelle Robert Koch-Institut, Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität, KW 33/2026, 2026-08-27

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